Gewerbeverein „Stadtmarketing Blieskastel“ löst sich auf

Mit viel Engagement und frischen Ideen hatte es begonnen: Nachdem sich der „alte“ Gewerbeverein aufgelöst hatte, schlossen sich einige Gewerbetreibende der Stadt im Jahr 2013 zusammen, um einen neuen Anlauf zu nehmen. Alles sollte besser sein. Innovative Aktionen sollten die Stadt und den Umsatz der Geschäfte beleben. Vier Jahre später steht der Verein nun vor dem Aus. Die aktuellsten Termine auf seiner Webseite sind vom Juli 2016, die Startseite ist gähnend leer.

Vorsitzender war bis zuletzt Rainer Schetting, Inhaber des Weinladens „Olivino“. Unter seiner Führung schaffte es der Verein, einige Aktivitäten ans Laufen zu bringen bzw. zu erhalten. Alleine Halloween bescherte der Stadt mehr Besucher als so manches Altstadtfest. Auch „Diner en blanc“, ein zwangloses, gemeinsames Essen selbst mitgebrachter Speisen und Getränke unter freiem Himmel, war stets gut besucht. Mit „Kultur am Sonntag“ wollte man satzungsgemäß Kultur fördern, beim Cittaslow-Markt und der Bliesgaumesse beteiligte man sich in Form geöffneter Läden. Latenight Shopping, Nikolausshopping und einige verkaufsoffene Sonntage ergänzten das Angebot.

Doch die Realität eines solchen Vereins sah leider oft anders aus, als man sich das anfangs so vorstellt hatte. Der Vorsitzende war hier oft derjenige, der die Aktionen vorbereitet hatte, während der Aktionen präsent war und hinterher wieder alles aufräumte, teilweise bis spät in die Nacht. Darüber hinaus hatte er repräsentative Aufgaben zu erfüllen, ist Ansprechpartner für Stadt, IHK und Gewerbetreibende. Die Koordination des Vereins uns seiner Aktivitäten kostete enorm viel Zeit, „fast ein Ganztagsjob“, wie der Vorsitzende in der letzten Sitzung des Vereins erklärte. Beklagt hat sich Rainer Schetting zwar nicht – die Arbeit hätte er immer gerne und mit Herzblut getan. Aber dass der Verein auch in Zukunft im Wesentlichen von ihm getragen wird, ist für ihn keine Option mehr. Als Vorstandsmitglied wollte er daher nicht mehr kandidieren. Stattdessen sollten andere das zeitraubende Amt übernehmen. Geplant waren bereits vier Veranstaltungen für 2017, die er gerne nahtlos übergeben hätte.

Doch auch diese bereits zweite Sitzung, in der ein weiterer Versuch unternommen werden sollte, einen neuen Vorstand zu finden, war nicht gerade von großem Interesse der Vereinsmitglieder gekrönt. Gerade mal acht Mitglieder waren anwesend, darüber hinaus fünf Gäste, die Mitglied werden wollen und teilweise auch Verantwortung übernehmen wollten. Von den Anwesenden haben sich schließlich fünf bereiterklärt, für ein Vorstandsamt zu kandidieren. Erster Vorsitzender wollte jedoch niemand werden.

Somit ist es nicht gelungen, einen neuen Vorstand zu wählen, und als Konsequenz wurde mit Tagesordnungspunkt 2 dann die Auflösung des Vereins beschlossen. Bis Ende des Jahres wird dieser nun abgewickelt, alle angesetzten Veranstaltungen jedoch voraussichtlich abgesagt.

Vorschlägen, konzeptionell etwas zu ändern, zeigte sich der Vorsitzende weniger aufgeschlossen. „Ideen hätte man genug“, meinte er, man bräuchte nur Menschen, die diese umsetzten. Ob diese Ideen die richtigen waren, sei mal dahingestellt. Aus Kreisen einiger Vereinsmitglieder war zu hören, dass die Aktionen nur für einen Teil der Mitglieder interessant waren. Banken, Frisör, Versicherungen, Autohäuser – selbst eine Bäckerei hätte keinen echten Nutzen von Halloween, kulturellen Veranstaltungen oder verkaufsoffenen Sonntagen. Die Menschen kommen zu solchen Festen nicht in die Stadt, um dann in den Geschäften einkaufen zu gehen. Die eigentlichen Nutznießer von großen Besucherzahlen seien eigentlich die Gastronomen – davon ist aber nur einer im Verein aktiv.

Letztlich half auch die vereinseigene Webseite wenig, die Attraktivität des Vereins zu steigern oder die Mitglieder zu motivieren, sich für dessen Interessen einzusetzen. So habe man den Mitgliedern eher nachlaufen müssen, um Informationen oder gar Fotos zu bekommen, und die Möglichkeit, Aktionen und Angebote auf der Webseite zu präsentieren, wurde mehrheitlich nicht angenommen. Ein großer Teil der Geschäfte, die man auf der Webseite findet, werden dort mit Platzhalterbildern dargestellt und einigen wenigen, lieblos formulierten Sätzen.

Alle Anwesenden waren sich einig, dass die Auflösung des Vereins die schlechteste Alternative ist. Auch die Bürgermeisterin sprach von einer „Katastrophe“, dass keine Vertretung und somit kein Ansprechpartner der Gewerbetreibenden mehr zur Verfügung stünde. Dennoch stimmte auch sie schließlich der Auflösung zu, zumal eine Abwendung der Auflösung kaum zu erwarten war.

Sechs der acht anwesenden Mitglieder stimmten der Auflösung zu, womit die notwendige Dreiviertelmehrheit erreicht wurde. Blieskastel muss also vorerst ohne Gewerbeverein auskommen – bis sich wieder ein Gruppe zusammenfindet, die einen solchen Verein für eine gute Idee hält, und jemanden findet, der die zu leistende Arbeit auf sich nimmt. Dann geht das Spiel von vorne los.


Kommentar des Autors:

Meiner Einschätzung nach kann ein solcher Verein nur dann funktionieren, wenn er für die Mehrheit der Mitglieder einen erkennbaren Nutzen bringt. Dazu darf sich ein Verein aber nicht nur selbst verwalten  (etwa durch eine Webseite, die nur Werbung für die eigene Sache und die Mitglieder zeigt, aber keine Besucher hat) und die knappen Ressourcen für wenige Aktionen verbrauchen, die nur für wenige Mitgliedern hilft, sondern er muss eine Plattform sein, bei der primär jedes einzelne Mitglied profitiert. Das Ergebnis kann und sollte dann durchaus auch ein Nutzen für die Stadt und die Bürgerinnen und Bürger sein. Dieser Gemeinschaftsnutzen muss ich aber aus den für die Mitglieder nutzenstiftenden Aktivitäten ergeben. Der Verein hat diese Chance nicht genutzt. Es wurden stattdessen Veranstaltungen geplant, die durchaus attraktiv, im Nachhinein als wertvoll und erfolgreich bezeichnet werden können. Der eigentliche Zweck eines Gewerbevereins wurde damit aber verfehlt. Das Resultat waren ein Desinteresse der Mitglieder und letztlich die Auflösung des Vereins.

Ralf Armbrüster, Blieskastel